Berufsporträt vom 11.04.2005

Wie werde ich...? Privatdetektiv

Wiesbaden (dpa/gms) - Oft genug muss Gabriele Kyritz während ihrer Arbeitszeit nur eines - warten! "Da ist viel Geduld und Hartnäckigkeit gefordert", sagt die 36-jährige Inhaberin einer Detektei in Wiesbaden.

Viel Geduld gefordert. Quelle: Katharina Klink/dpa/gms
© dpa

In der Regel gilt es, eine Zielperson zu beobachten, und wenn diese den ganzen Tag lang ihre Wohnung nicht verlässt, gibt es nicht viel zu tun. "Ich darf mich aber nicht einlullen lassen und muss bereit sein für den Augenblick, in dem endlich etwas passiert", sagt die Privatdetektivin.

Eigentlich wollte Kyritz Tierärztin werden. Als sie nach dem Abitur nicht den gewünschten Studienplatz bekam, überbrückte sie die Wartezeit mit einer Ausbildung zur Rechtsanwalts- und Notargehilfin. In einem Fachblatt las sie dann eine Anzeige und wurde Detektivin.

Der Beruf des Privatdetektivs ist nicht gesetzlich geschützt. Jeder kann ihn ohne eine vorgeschriebene Vorbildung ausüben. Mehrere Berufsverbände bemühen sich aber darum, gewisse Standards durchzusetzen. So empfiehlt der Bundesverband Deutscher Detektive (BDD) in Meckenheim bei Bonn die Ausbildung bei der ZAD. Die Ausbildung an dieser Zentralstelle für Ausbildung im Detektivgewerbe in Braunschweig hat auch Gabriele Kyritz absolviert. Zwei Jahre lang erhalten angehende Privatermittler dort Fernunterricht in Fächern wie Recht, Wirtschaft und Kriminalistik. Daneben werden sie auch in Blockseminaren vor Ort geschult.

Vor allem gilt es aber "für die Praxis durch die Praxis" zu lernen, so Josef Riehl vom BDD. Deshalb arbeiten die Azubi-Detektive in der Regel schon während der Ausbildung in ihrem neuen Beruf. Mitunter zahlt sogar der Arbeitgeber die Kursgebühren von immerhin 3384 Euro - neben einem monatlichen Praktikantengehalt von etwa 750 Euro. Als Berufseinsteiger verdient ein Detektiv nach Angaben des BDD etwa 1500 bis 1800 Euro brutto.

Die Aufgaben von Gabriele Kyritz sind vielfältig: Unternehmen beauftragen sie, Blaumacher zu überführen. Privatleute nehmen ihre Dienste vor allem in Beziehungs-Angelegenheiten in Anspruch. Da sind etwa Männer, die ihren geschiedenen Frauen nachweisen wollen, dass diese längst wieder in einer neuen "eheähnlichen" Beziehung leben.

Einmal beauftragt, beschattet die Privatdetektivin ihre Zielperson und folgt ihr soweit möglich. Sie sammelt Beweise und dokumentiert ihre Arbeit auf Fotos oder Videobändern. "Manchmal packt mich auch der Jagdinstinkt", sagt Gabriele Kyritz.

Doch mit dem aus Film und Fernsehen bekannten Privatdetektiv haben sie und ihre Berufskollegen so gut wie nichts gemeinsam. "Matula ist kein Vorbild", betont auch Josef Riehl vom BDD und spielt damit auf die TV-Serie "Ein Fall für Zwei" an. "Der Privatdetektiv hat nicht mehr Rechte als jeder normale Bürger", sagt Riehl. Er dürfe nicht in fremde Wohnungen eindringen, und er trage auch keine Schusswaffe.

80 Prozent aller Aufträge kommen von Wirtschaftsunternehmen. Da gilt es, den Aufenthaltsort von Schuldnern zu bestimmen, gegen Industriespionage vorzugehen, betrügerische Mitarbeiter zu überführen und nicht zuletzt Fälle von Versicherungsbetrug aufzuklären. "Viele Detektive haben vorher bei der Kriminalpolizei oder beim Nachrichtendienst gearbeitet", sagt Riehl.

www.z-a-d.de, www.bdd.de, www.bid-detektive.de

 

Wiesbadener Tagblatt vom 24.04.2007

"Unsere Waffe bei der Arbeit ist die Kamera" Gabriele Kyritz ist Detektivin/"Ganz biederer Beruf"


So wie in dieser gestellten Situation arbeitet die Detektivin Gabriele Kyritz (rechts) auch im tatsächlichen Berufsleben.
Die Aufklärung von Ehebrüchen gehört dazu.
Foto: RMB/Heiko Kubenka
Vom 24.04.2007

WIESBADEN Wenn Detektiv Matula (Claus-Theo Gärtner) einfach in die leere Wohnung eines Verdächtigen marschiert, dann wird´s für Fernseh-Zuschauer spannend. Bei Gabriele Kyritz stellen sich die Nackenhaare aus anderen Gründen auf: "Da bekommt man einen ganz falschen Eindruck. Das ist pure Phantasie der Drehbuchschreiber." Die Wiesbadenerin weiß, wovon sie spricht: Sie ist Detektivin.

Von

Birgitta Lamparth

Detektive kennt man aus zig Spielfilmen und TV-Serien: Sie sind vom Leben enttäuscht und zynisch wie Philip Marlowe, scharfsinnig-kombinierend wie Sherlock Holmes oder eben cool und smart wie Matula. Die wenigen Frauen, die unser durch Literatur- und Fernseheindrücke geschultes kollektives Gedächtnis beim Begriff "Detektiv" hervorzaubern kann, lassen sich in Summe als gemütlich-verschroben bezeichnen. Miss Marple eben.

Und dann sitzt Gabriele Kyritz einem gegenüber: Jung, offen, professionell und absolut mit beiden Beinen im Leben. "Das ist an sich ein ganz biederer Job", sagt sie. Und fast ist man versucht, ihr zu glauben. Fast. Wären da nicht diese besonderen Umstände: Ungewöhnliche Arbeitszeiten, Observierung wildfremder Personen, Abrechnung nach Stundensätzen, bisweilen emotional reagierende Auftraggeber.

Damit muss man schon umgehen können. Und Gabriele Kyritz kann: Seit 1994 ist sie selbstständig, hat mit zwei Kollegen zusammen schon zahlreiche Fälle von Wirtschaftsdelikten und Privatermittlungen gelöst.

Angefangen hat alles mit einem Zeitungsinserat: "Mainzer Detektei sucht Auszubildende." Damals hatte Gabriele Kyritz grade Abi gemacht, wollte eigentlich Tiermedizin studieren und hatte sich aber doch für eine Leere als Rechtsanwalts- und Notargehilfin entschieden. Detektei - das klang interessanter. Zwei Jahre lang dauerte die Ausbildung, in der sie voll eingesetzt wurde und daneben im Fernunterricht die Fragebögen der Berliner "Zentralstelle für AusbilFrauen-Power

dung im Detektivgewerbe" beantwortete. Zum Abschluss absolvierte sie noch eine Prüfung mit Fächern wie Kriminalistik, Recht und Wirtschaft. Nicht jeder geht diesen Weg: "Detektiv ist keine geschützte Berufsbezeichnung, jeder kann sich einfach so nennen", sagt sie. Und wie erkennt man einen guten? "Wir leben von Empfehlungen, meist von Rechtsanwälten."

Im privaten Bereich sind es meist Unterhaltsangelegenheiten oder Sorgenrechtsfälle, mit denen die Detektei Kyritz beauftragt wird. Hier sind meist Männer die Auftraggeber, während Frauen Gabriele Kyritz eher dann konsultieren, wenn sie den Partner der Untreue verdächtigen. Und sie wenden sich dann, so ihre Erfahrung, lieber an die einzige Detektivin weit und breit wenden als an einen männlichen Kollegen. Auch wenn sie den so genannten "Treuetest", eine oft an sie herangetragene Anfrage, rigoros ablehnt: "Dieses Anbaggern auf Probe finde ich völlig unmoralisch."

Ein besonderes Feingefühl ist ihr wichtig, sollte sich der Verdacht einer Kundin bestätigen. Auch, wenn sie sich manchmal persönlich betroffen fühle, müsse sie dann den Seitensprung bestätigen. Das klingt fast geschäftsmäßig: "Der Auftraggeber hat ein berechtigtes Interesse an der Information." Generell finden die Kundinnen einer Frau gegenüber "schnell Vertrauen und haben eine geringere Hemmschwelle, mir wichtige Details zu erzählen." Und die sind bei einer späteren Observierung oft entscheidend.

Im Team mit ihren Kollegen ("Manchmal ruft auch einer an, hält mich für die Sekretärin und fragt: Kann ich mal einen ihrer Männer sprechen?") folgt Gabriele Kyritz dem vermeintlichen Ehebrecher. "Beobachtungen in Cafés oder Restaurants sind als Paar leichter. Man wirkt dann unauffälliger." Wenn sie Informationen über die zu beobachtende Person einholt, zum Beispiel bei Nachbarn, sei sie dagegen eher allein im Vorteil: "Ich kann mir als Frau viel mehr erlauben, wir sind da einfach unverdächtiger."

Eine Waffe hat sie nicht dabei. "Unsere Waffe ist die Kamera," sagt sie. Und die überführt mit Fotografien oder Videoaufnahmen nicht nur den untreuen Ehemann, sondern auch den Manager, der sich nach seiner Kündigung nicht an das halbe Jahr Wettbewerbsverbot hält und schon für die Konkurrenz arbeitet oder den krankgeschriebenen Mitarbeiter, der zuhause das Haus umbaut. Das sind nur zwei Beispiele aus den vielen Wirtschaftsdelikten, die Gabriele Kyritz bearbeitet.

Einen groß angelegten Diebstahl hat sie mal in Frankfurt aufgedeckt: Da hatte ein Mitarbeiter Spezialwerkzeuge im Wert von einer halben Million Euro aus seiner Firma gestohlen und zuhause gebunkert. Als er sie gerade in Spezialkisten verladen wollte, schnappte die Detektivin zu und rief die Polizei.

Alleingänge sind da eher nicht angeraten. Aber selbst bei Privatfällen kann der "biedere Job" mitunter gefährlich werden: Ein Frankfurter Kollege überlebte die Begegnung mit einem überführten Ehegatten nur schwerverletzt. Der hatte zuerst Schüsse auf den Detektiv abgegeben, bevor er die Waffe gegen sich selbst richtete.

Vorsicht ist deshalb ein wichtiges Handwerkszeug in diesem Beruf, schon im eigenen Interesse. Dennoch will Gabriele Kyritz ihn nicht missen - auch, wenn er ihr oft harte Arbeitszeiten abnötigt Bis in späte Abendstunden hinein observieren - das klappt nur mit gutem Familienmanagement. Und in Absprache mit ihren beiden männlichen Kollegen.

Und die sind natürlich dann wieder im Vorteil, wenn es darum geht, sich im Blaumann unter ein paar Arbeiter zu mischen und dort Fragen zu stellen. Eine spezielle Tarnkleidung oder gar eine Perücke brauche sie aber nun nicht, meint Gabriele Kyritz, "aber man sollte die Kleidung dem Umfeld anpassen." Seitdem ihre Jeans bei Ermittlungen auf einem Golfplatz gerügt wurde, hat sie jetzt auch eine karierte Hose im Schrank. Also doch fast wie Miss Marple...


Wiesbadener Tagblatt vom 28.03.2008

Klischees von Schießereien und Abenteuern

Detektivin Gabriele Kyritz kritisiert die Sat-1-Serie "Lenßen&Partner": "Unsere Waffe ist die Kamera"


"Detektive ermitteln diskret aus dem Hintergrund", sagt Gabriele Kyritz und mag Krimiserien wie "Lenßen und Partner" überhaupt nicht. Foto: RMB/Friedrich Windolf

Vom 28.03.2008

Wie realistisch sind Detektive, Richter, Nonnen, Autobahnpolizisten und Diplom-Pädagoginnen in Fernsehserien dargestellt? Wir fragten bei Menschen nach, die diese Tätigkeiten wirklich kennen: Sie nehmen die Sendungen unter die Lupe und schätzen ein, wie realistisch die Fernsehwirklichkeit ist.  

Von

Till Frommann

Dramatische Szenen in der Sat 1-Serie "Lenßen & Partner": Vor einem italienischen Restaurant lauert dem Besitzer die lokale Presse auf: schon der dritte Fall von Lebensmittel-vergiftung! Was ist geschehen? Versucht jemand, das Restaurant in Verruf zu bringen? Das sollen die Detektive herausfinden, die für Rechtsanwalt Ingo Lenßen arbeiten. Doch wie realistisch ist diese Serie überhaupt, die montags bis samstags auf Sat 1 läuft? Hin und wieder kommt sie daher wie ein Dokumentarfilm. Aber natürlich ist alles nur Fiktion. Die Detektive sind nur Darsteller.

Gabriele Kyritz schaut sich eine Folge von "Lenßen & Partner" an. Weil wir sie darum gebeten haben, weil wir wissen wollten, wie wirklichkeitsgetreu diese Serie überhaupt ist. Seit 1992 arbeitet Gabriele Kyritz als Detektivin, 1994 hatte sie sich mit ihrer eigenen Detektei selbständig gemacht. Sie muss es wissen, dachten wir uns - wie nah dran an der Realität ist die Fernsehserie?

Schon während des Vorspanns von "Lenßen & Partner" findet Kyritz etwas, was sie bemängelt: Einer der Fernsehdetektive fuchtelt mit einer Waffe herum. "Wenn ich das schon sehe!", sagt sie. Detektive würden meistens überhaupt keine Waffen tragen. "Das ist ein Klischee", erklärt die 39-Jährige. Es müsse schon ein zwingender Verdacht auf Gefahr vorliegen, der es rechtfertigen würde, eine Waffe mit sich herumzutragen. Ihre Detektei hat sich auf Observationen spezialisiert. Geht der Partner fremd? Oder macht ein Mitarbeiter blau? "Unsere Waffe ist die Kamera!", sagt Gabriele Kyritz deshalb.

Sie beobachtet, wie ihre fiktiven Fernsehkollegen vollkommen aggressiv versuchen, Informationen zu bekommen. "Hier ist mein Dienstausweis", fordert einer der vermeintlichen Detektive: "Geben Sie mir Auskunft." Ein unwirscher Umgangston! "Ich möchte jemanden sehen, der da bereit-willig Auskunft gibt", kritisiert Gabriele Kyritz. Sie würde eher im Untergrund und sehr viel diskreter ermitteln.

Und überhaupt: Auffällig häufig würde bei "Lenßen & Partner" gegen das Gesetz verstoßen: Einfach mal das Telefon abhören oder in eine Wohnung, in die Privatsphäre, eindringen - alles illegal. "Es nervt, wenn uns jemand um Hilfe bittet und will, dass wir solche Methoden anwenden", sagt Gabriele Kyritz. Das komme, denkt sie, auf Grund genau solcher Sendungen. Wegen "Lenßen & Partner" und anderer unrealistischer Krimiserien. Wenn man sich ohne Erlaubnis zu nicht öffentlich zugänglichen Orten Zugriff verschafft, sei das Hausfriedensbruch. "Die Persönlichkeitsrechte werden in dieser Serie oft verletzt."

Die Detektive in "Lenßen & Partner" observieren das Restaurant mit den Lebensmittelvergiftungen. Parken die doch direkt vor der Eingangstür! "Dieser Standort würde sofort auffallen", kritisiert die echte Detektivin. Was für ein Unsinn, der nichts mit der Realität zu tun hat!

Hinzu komme die ungewöhnliche Konstellation in der Serie: Rechtsanwalt Ingo Lenßen beauftragt immer wie-der die gleichen Ermittler. In der Wirklichkeit läuft das meistens anders. "Dieser enge Kontakt ist unrealistisch oder zumindest nicht üblich", sagt Detektivin Gabriele Kyritz. In der Realität seien Detektive nicht so eng mit einem Anwalt verbunden, schätzt die Expertin ein. Immer wieder würden sie zwar von einem Anwalt beauftragt, für dessen Mandanten zu arbeiten. Aber dass (wie es in "Lenßen & Partner" fast in jeder Folge der Fall ist) der Anwalt selbst mit ermittelt, sei dann doch eher hanebüchen.

Die Fernsehdetektive liegen auf der Lauer. Observieren. Wahrscheinlich stundenlang. "Wir benutzen eher Langzeitrekorder und werten die Auf-nahmen danach aus", berichtet Gabriele Kyritz. Hin und wieder beobachte ihre Detektei jedoch auch ohne Hightech-Schnickschnack.

Viele Bewerber, die Detektiv werden wollen, glaubt sie, würden den Beruf vor allen Dingen deshalb ergreifen wollen, damit sie eine Dienstwaffe besitzen könnten. Wegen Schießereien. Adrenalin. Abenteuer. Aufregung. "Oft muss man aber auch viel warten und viel draußen herumstehen", macht Gabriele Kyritz den Vorstellungen vom Traumberuf ein Ende.

Wo ist die Realität im Fernsehprogramm? Anscheinend nicht bei "Lenßen & Partner".